Vom Ausstieg zum Aufstieg
Studienabbrecher-Recruiting lohnt sich
Immer mehr Studierende verlassen vor dem Abschluss die Hochschule. Besonders hohe Abbruchquoten gibt es in den Fächern Mathematik (Uni 44%, FH 34%), Informatik (Uni 41%, FH 34%) sowie in den Ingenieurwissenschaften (Uni 35%, FH 29-32%). Meist haben diese Studierenden nicht das Interesse an ihrem Fach verloren. Aber die theoretische Ausrichtung der Hochschulausbildung enttäuscht sie. Sie wünschen sich mehr Anwendung, wollen am Ende des Tages und nicht erst am Ende des Studiums zufrieden auf Ergebnisse schauen. Eine Handwerksausbildung erscheint vielen als attraktive Möglichkeit. An den Baugewerken gibt es sogar besonderes Interesse. Sich diese wachsende Zielgruppe zu erschließen lohnt sich. Das bestätigen auch 100TOP-Mitgliedsbetriebe, die Teammitglieder unter ehemaligen Studierenden gewonnen haben. Aber wie und wo erreicht man die Wechselwilligen?
Viele Kontaktwege parallel nutzen
Ausgestiegene oder aussteigewillige Studierende sind keine homogene Zielgruppe. Und sie nutzen für die Orientierung nach Verlassen von Uni oder FH die unterschiedlichsten Kanäle. Die Ansprache muss das berücksichtigen und an mehreren möglichen Kontaktpunkten gleichzeitig ansetzen.
Der erste Touchpoint sind die Institutionen: Handwerkskammer, Agentur für Arbeit, die Karrierezentren ortsnaher Hochschulen. Sie unterhalten spezielle Beratungseinrichtungen für Wechselwillige, die den Übergang ehemaliger Studenten in eine duale Ausbildung anbahnen und unterstützen. Firmen können sich auf Websites der jeweiligen Institutionen mit einem Firmenprofil vorstellen oder hier freie Stellen melden. Nach Möglichkeit sollte man darüber hinaus aber auch persönlich Kontakt zu den Beratungsfachkräften aufnehmen. Je enger der Informationsaustausch, desto besser können Firmen und geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zusammengebracht werden.
Der zweite wichtige Anspracheweg ist das Internet. Neben den je nach Bundesland unterschiedlichen offiziellen Online-Services und Initiativen wie www.bildungsketten.de sind hier die Online-Stellenmärkte hilfreich. Ergänzend zu Einträgen z. B. in der Lehrstellenbörse der örtlichen Handwerkskammer und offiziellen Jobbörse der Arbeitsagentur kann man auf Ex-Studierende spezialisierte Portale nutzen (findet man mit Suchmaschine) sowie in den großen überregionalen Stellenplattformen wie etwa ausbildungsstellen.de, stepstone.de, indeed.de, jobware.de usw. inserieren. Letztere sind kostenpflichtig und teils teurer als Anzeigen in der Lokalpresse. Doch da Studenten vorwiegend online suchen, erreicht man sie so eher. Doch wie geht man nicht in der Masse unter? Man muss auffallen, und unter anderem schon in der Betreffzeile gezielt und „laut“ Studienabbrecher ansprechen. Der Text sollte das Angebot kreativ, konkret und karrierebezogen formulieren.
Zu Internet-Akquise von Studienabbrechern gehört natürlich unbedingt auch die eigene Website. Immer mehr Betriebe gehen den richtigen Schritt, den Stellenteil aus den Menü-Unterpunkten im firmeneigenen Internetauftritt auszugliedern und mehr nach vorne zu stellen. In Form einer eigenständigen Ausbildungs- und Job-Landingpage bekommt er deutlich mehr Wahrnehmbarkeit und Wertigkeit.
Flankierend lassen sich in den Social Media Impulse und Informationen für Studienabbrecher vermitteln. Hier kann man auf die Landingpage aufmerksam machen, Einblicke in Praktika geben oder – der Idealfall – ein Teammitglied vorstellen, das erfolgreich vom Hörsaal in die Praxis gewechselt ist. Auf Social Media wird man allerdings erst gefunden, wenn bereits gezielter gesucht wird. Sie eignen sich daher weniger für den Erstkontakt im Studienabbrecher-Recruiting.
Drittens schließlich kann und sollte man ergänzend auch noch auf direkte Kommunikation setzen. Dazu gehören Stände auf Ausbildungs- und Karrieremessen, eventuell sogar eigene Studierenden-Events, insbesondere natürlich auch die Akquise über Praktika. Vorträge direkt an Hochschulen bringen oft besonders gute Resonanz. Ob, wie und wo so etwas möglich und willkommen ist, sagen einem die Ansprechpartner der in den oben genannten Karrierezentren der Hochschulen.
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